Gewehrmunition
Man
unterschiedet Munition für jagdliche, militärische und sportliche
Anwendungen. Die Anforderungen an jagdliche Munition ist vor allem eine
gute Zielballistik. Das Wild soll sich möglichst rasch in das Wundbett
begeben und verenden. Damit das Geschoß Wirkung erzielt, muß
seine Bewegungsenergie im Ziel in mechanische Arbeit umgewandelt werden,
indem es Masse verdrängt. Daher sind jagdliche Geschosse meist stumpf,
um beim Durchdringen des Zieles einen höheren Strömungswiderstand
zu bieten. Die Hülsen von Jagdpatronen sind lang und schlank, um
ein möglichst leichtes Patronenlager und über den Stoßbodendurchmesser
ein möglichst leichtes System an dem Jagdgewehr zu haben. Jagdpatronen
sind in der Regel stark und teuer, mache Kaliber sind regelrechte Laufkiller,
was aber bei jährlich etwa 20 Schuß im Revier keine besondere
Rolle spielt. (rechts: Jagdpatronen im Kaliber .450)
Die Aufgabe der Militärpatrone ist es nicht primär, den Gegner
möglichst rasch zu töten, sie soll ihn nur kampfunfähig
zu machen. Dazu genügt bereits die relativ geringe Energie von 80
Joule. Militärpatronen haben Vollmantelgeschosse mit Stahlkern, die
zwar eine hohe Penetrationskraft besitzen, aber im Ziel nur relativ wenig
Energie abbauen.
Der Rückstoß von Militärmunition soll möglichst gering
sein, damit auch ungeübte Wehrpflichtige und Reservisten die Waffen
sicher führen können. Militärpatronen sind daher in der
Regel pulverschwache Patronen, ausgelegt für eine lange Lebensdauer
der Waffe bei Reihenfeuer. Der Formfaktor das Patrone ist optimiert für
die Munitionszuführung in automatischen Waffen sowie für einen
geringen Ausziehwiderstand.
Sportmunition
hat keine zielballistische Anforderungen, gewünscht ist statt dessen
die maximale Präzision. Geschossen werden lange, schlanke Geschosse
mit geringem Widerstandsbeiwert. Die höchste Präzision wird
mit Einzelladergewehren erzielt , insofern hat auch der Formfaktor der
Patrone keine besondere Bedeutung, wie auch die Messe des Systems: Matchgewehre
haben schwere Läufe und stabile Systeme.
Die optimale Geschossform für den ballistischen Flug ist das Ogivalgeschoss,
für das es verschiedene mathematische Modelle gibt. Durch seinen
geringen Strömungswiderstand verliert es es während des Fluges
nur wenig Geschwindigkeit. (links: Sportpatronen im Kaliber 6 mm)
Der Widerstandsbeiwert cw ist entgegen der allgemeinen Lehrmeinung an
unseren Schulen keine Konstante. In Abhängigkeit der Form erreicht
er etwa bei einfacher Schallgeschwindigkeit seinen höchsten Wert
und sinkt mit zunehmender Geschwindigkeit wieder ab. Für eine möglichst
gesteckte Flugbahn ist also eine Geschoßgeschwindigkeit von mindestens
der doppelten Schallgeschwindigkeit erforderlich. Um das zu erreichen,
werden häufig Militär- oder Magnumpatronen mit kleinkalibrigen
Geschossen bestückt, solche Patronen nennt man Wildcats. Gängige
Sportkaliber sind 6 mm und 6,5 mm für Schüsse bis 1000 m. Für
Weiten über 1000 m verwendet man die Militärkaliber .338 Lapua
Mag und .50 BMG, die auf Grund ihrer großen Geschoßmasse eine
geringe Winddrift zu verzeichnen haben. (rechts: Hochleistungspatrone
6,5x284 Remington)
Einige Militärpatronen haben sich im Laufe der Zeit zur Universalmunition
für Jagd, Militär und Sport entwickelt, so zum Beispiel die
.223 Remington (5,56x45 mm NATO), die für die Selbstladerdisziplinen
verwendet wird oder die .308 Winchester (7,62x51 mm NATO), "DIE"
Scharfschützenpatrone schlechthin.
Kurzwaffenmunition
Kurzwaffen
dienen der jagdlichen Nachsuche und der Eigensicherung im Nahbereich.
Die Unterschiede zwischen Jagd-, Behörden- und Sportmunition sind
verglichen mit Gewehrmunition relativ gering. Ballistisch sind die Hohlspitzgeschosse
am vorteilhaftesten, weil sie durch weniger Masse in der ungeführten
Geschossspitze einen präziseren Drall haben. Hohlspitzgeschosse sind
seit neuestem auch für den Sportbereich zugelassen. Ob der höhere
Preis den Präzisionsvorteil aufwiegt ist allerdings umstritten.(rechts:
Standardpatrone 9 mm Luger)
"Real guns,
real loads" - der Mindestimpuls
Beim Abbrand der Treibladung in einer Patrone entstehen Gasdrücke
von ca. 3.000 bar, an der Mündung beträgt der Druck noch ca.
100 bar. Wenn das Geschoss den Lauf verlässt, umwirbeln heiße
Gase das Heck des Geschosses. Je stärker diese Wirbel sind, desto
schlechter ist die Präzision. Zur Verbesserung der Präzision
laden manche Schützen weniger Pulver in ihre Patronen. Das geht bis
zu absurden "Schlappladungen", die kaum noch eine Waffe repetieren
können.
Bei den Gebrauchspistolen und -revolvern ist deshalb im Schießsport
ein sog. Mindestimpuls (MIP) vorgeschrieben. Gemessen wird die Geschoßgeschwindigkeit
an der Mündung. Für den .357er Revolver ist im DSB beispielsweise
ein MIP von 350 vorgeschrieben. Ein 9,2g schweres Geschoß muss es
also auf mindestens 381 m/s bringen, ein 10,23g schweres Geschoss nur
auf 343 m/s - die Qual der Wahl liegt beim Schützen.
Sicherheit
Munition gehört zur Gefahrgutklasse 1.4S und darf ohne Mengenbegrenzung
erworben und gelagert werden. Die Aufbewahrung hat in einem verlossenen
Stahlbehältnis mit Schwenkriegelschloss zu erfolgen, das gegen Wegnahme
gesichert ist. Eine übliche Wertkassette, die an Boden oder Wand
verschraubt ist, erfült diesen Zweck. Der Transport ist bis zu einer
Menge von 50 kg von den Auflagen der Gefahrgutverordnung befreit. Bei
Mengen über 50 kg muss sich die Munition in einer Herstellerumverpackung
mit dem Sicherheitsaufdruck 1.4 befinden und es muss ein Feuerlöscher
(2kg ABC) an Bord sein.
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