Aufarbeitung eines TOZ 17
Vor mir liegt ein altes russisches TOZ 17 aus dem Bestand der ehemaligen Gesellschaft für Sport und Technik (GST) der ehemaligen DDR. Damit ist es zugelassen für die BDS Disziplin 2105 Diestsportgewehr KK mit offener Kimme. Gebraucht sind diese Gewehre ab 25,-€ zu haben und mit ein wenig Arbeit kann man daraus sogar ein brauchbares Sportgerät machen.
Das Gewehr befindet sich in einem mitgenommenen Zustand. Es wurde irgendwann mal mit brauner Farbe angemalt, im Bereich der hinteren Systemschraube ist das Holz weg gefault, im Bereich der vorderen Systemschraube hat sich das System tief in das weiche Birkenholz eingedrückt, so dass der Lauf nicht mehr frei schwingen kann. Das Korn ist etwas schief und der Abzug kratzt und schleppt. Allerdings haben Waffen der Marke TOZ in der Regel gute Läufe, so dass sich der Aufwand durchaus lohnt. Viel Arbeit, also packen wir's an!
Zunächst das Rechtliche: Spanabhebende Arbeiten an wesentlichen Teilen, das sind Lauf, Systemhülse und Verschlusskammer dürfen nur von einem Büchsenmacher durchgeführt werden.
Zuerst schäften wir das Gewehr aus und entfernen alle Beschläge. Die der Schaft wird mit einer Klinge abgezogen und mit mittlerem Schleifpapier der Körnung 400 verschliffen. Danach wird er etwa eine halbe Stunde über einem Topf mit kochendem Wasser abschnittsweise gedämpft. Durch den Heißdampf werden ca. 95 aller Druckstellen im Holz beseitigt, Harz, Dreck und alte Beize wird aus den Poren getrieben. Verunreinigungen noch im heißen Zustand abwischen.
Nach dem Dämpfen ist das Holz hell und rauh. Wir verschleifen es mit Feinschleifpapier Körnung 800. Das verfaulte Holz im System wird großzügig entfernt und mit Holzspachtel, z. B. 2K-Holzersatz von Molto aufgefüllt. Beschädigungen am Schaft, die durch das Dämpfen nicht entfernt werden konnten werden ebenfalls verspachtelt und verschliffen.
Damit der Lauf wieder frei schwingen kann führen wir im Bereich der vorderen Systemschraube eine Bettung durch. Es gibt spezielle Bettungsmittel für Großkalibergewehre, z.B. Devcon Liquid Steel oder AcraGlas Gel, die aber recht preisintensiv sind. Für die Bettung eines KK-Gewehres genügt die 2K-Knete von Pattex völlig. Der Bettungsbereich geht vom Magazinschacht bis zur Laufwurzel und sollte ca. 2 ~ 3 cm des Laufes mit einschließen. Der Schaft wird mit Malerkrepp abgeklebt. Schlecht zugängliche Stellen werden mit Kerzenwachs geflutet. Am System werden alle Bohrungen und die Fuge zwischen Lauf und System mit Kerzenwachs verschlossen. Diese Arbeit muss sehr sorgfältig durchgeführt werden, denn es gibt kein zurück. Mancher Waffenbastler hat unbedacht sein System auf ewig mit dem Schaft verbunden.
Um das System optimal in den Schaft einzupassen wird der Lauf mit Klebeband umwickelt bis er stramm ins Laufbett passt. Die 2K-Knete wird in den Schaft eingedrückt und alle Metallteile mit einem Trennmittel, z. B. WD-40 Spray benetzt. Dann wird das System mit der Systemschraube stramm in das Bettungsmittel eingezogen. Überquellendes Bettungsmittel sofort mit einem Messer abschneiden. 2K-Knete härtet in 6 Minuten aus, man sollte also zügig arbeiten.
Bei einfachen Gewehren wie diesem gleitet der Nocken des Abzuges über die Unterseite des Systems. Das Bild links offenbart, warum der Abzug so kratzt. Die Systemunterseite ist stark bearbeitungsrauh, der Nocken des Abzuges hat sich tief in den Stahl des Systemhülse eingefressen. Die vorhandenen Riefen werden mit Feinschleifpapier und anschließend mit Polierpaste beseitigt. Das Bild Links zeigt die bearbeitete Fläche, der Abzug arbeitet nun wieder sauber mit klarem Druckpunkt.
Den Abzugsnocken sollte man eigentlich nicht verändern. Man kann zwar dadurch Abzugsgewicht und Abzugscharakteristik verändern, läuft aber Gefahr, dass die Waffe unsicher wird. Bei dieser Waffe hatte der Abzugsnocken einen Grat, der für die Beschädigung der Gleitfläche verantwortlich war. Dieser Grat wird entfernt und der Nocken poliert. Eine Politur erfährt ebenfalls die Rastfläche an der Klinke. An dieser Stelle ist aber Vorsicht geboten, ändert man den Winkel der Rastfläche zwischen Klinke und Schlagbolzenmutter ändert sich der Abzugswiderstand und Abzug kann unsicher werden. Zudem dürfen die für diese Disziplin vorgeschriebenen 1000 g Abzugsgewicht nicht unterschritten werden.
Das Korn an diesem Gewehr ist eigentlich nur ein Stückchen Runddraht, der zudem schief abgekniffen wurde. Mit einer Schlüsselfeile wird er gerade gefeilt, so dass sich ein schönes rechteckiges Zielbild ergibt. Mit einem Kontreiber für Mausergewehre lässt sich das Korn in der Seite feineinstellen.
Die Farbe des Schaftes war ursprünglich rotbraun. Da im Bereich der Fischhaut am Griff die alte Farbe noch zu sehen ist, sollte die Beize in etwa wieder den alten Farbton erreichen. Die Farbe mische ich aus Mahagoni und Goldteak zusammen und trage sie saftig mit dem Schwamm auf. Überflüssige Beize sofort abwischen. Durch das Wasser in der Beize richten sich am Holz nochmals die Fasern auf. Diese entfernen wir mit einem Schleifvlies, dadurch erhält das Holz seine endgültige glatte Oberflächenstruktur Auf keinen Fall Schleifpapier verwenden!
Lackierte Schäfte haben immer den Nachteil, dass sie beim Schießen durch den Handschweiß ihre Griffigkeit verlieren. Deshalb bekommt der Schaft seine letzte Ölung. Es gibt im Fachhandel spezielles Schaftöl zur Behandlung und Pflege von Ölschäften. Ich verwende dafür Teaköl zur Pflege von im Freien befindlichen Holzmöbeln. Man kann auch ganz normales Leinöl verwenden.
Als letzes bekommt unserer russisches TOZ 17 ganz standesgemäß einen Trageriemen von der AK 47 Kalashnikov, für günstige 1,50-€ im Internethandel zu haben. Fertig.
Nachtrag:
Landesmeisterschaft 05.05.2007 - KK Dienstsportgewehr offene Kimme: 285 Ringe = 1. Platz
Bitte sehr, geht doch!
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