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Wiederladen

Streukreis 4mmLadepresse Lyman Wiederladen macht Freude und spart Geld. Es ist eine Wissenschaft für sich und für manche Leute sogar ein eigenständiges Hobby. Die Hülse ist der teuerste Teil der Patrone, was liegt also näher, als sie wiederzuverwenden.

Sowohl für Patonenlager als auch für Patronen gibt es verbindliche Toleranzen nach CIP. Die Waffenherstteller bauen deshalb die Patronenlager so weit als möglich, damit auch die dicksten Patronen noch sauber eingeführt werden können - die Munitionshersteller bauen wiederum ihre Patronen so klein als möglich, damit sie auch sicher in jedes Patronelager passen. Die Folge davon sind teils recht hohe Lagerspiele, die besonders bei Langwaffenmunition der Präzision abträglich sind. Durch Anpassen von Munition an die Waffe kann die Schußpräzision erheblich gesteigert werden. Im Spitzensport sowieso, aber auch bei Disziplinen wie Benchrest, Long Range, High Power oder allen 1500er Disziplinen kommt man um das Wiederladen praktisch nicht herum. Bild links: 4mm Streukreis mit selbstgeladener Munition Kaliber .308, geschossen auf die KK-Scheibe.

Manche Leute schleppen die leeren Hülsen eimerweise aus dem Schießstand und laden sie en gros in einer Mehrstationenpresse. Andere vermessen und wiegen wie ein Uhrmacher jede einzelne Patrone auf den Hundertstel Millimeter und das Hundertstel Gramm. Welchen Aufwand man betreibt, liegt im Ermessen jedes einzelnen.

Die einzelnen Komponenten einer Patrone wie Hülse, Geschoss und Zündhütchen sind frei verkäuflich, bis auf das Pulver, das fällt unter das Sprengstoffgesetz. Um es legal zu erwerben, sind ein paar bürokratischen Hürden zu nehmen, die jedoch nicht unüberwindlich sind: Zunächst lässt man sich auf dem zuständigen Landratsamt, Abt. Waffenwesen eine "UB" (Unbedenklichkeitsbescheinigung gem. SprengV) ausstellen. Damit besucht man einen Wiederladerkurs und kann sich sich dann auf dem Ordnungsamt einen "Pulverschein" (behördliche Erlaubnis nach dem Sprengstoffgesetz § 27) abholen. Die Kosten für die "UB" betragen 36,-€, der Lehrgang+Prüfungsgebühr kosten ca. 125,-€, der "Pulverschein" kostet erstmalig ca. 100,-€, die Verlängerung ca. 50,-€. Die Preise sind regional etwas unterschiedlich.Tumbler

Einsteigerkit LeeEs dürfen nur Patronen für den eigenen Bedarf geladen bzw. wiedergeladen werden. Der Verkauf an andere ist nur gewerblichen Wiederladern erlaubt. Ist eine Patrone fertig gestellt, fällt sie automatisch unter das Waffengesetz. Die Erlaubnis zum Laden/Wiederladen schließt daher auch die waffenrechtliche Besitzerlaubnis für diese selbstgefertigte Munition mit ein. Der Wiederlader darf sich beispielsweise Munition für eine Leih- oder Vereinswaffe selbst anfertigen.

Hat man alle Formalitäten erledigt, kann es losgehen. Zum Reinigen der abgefeuerten Hülse benötigt man einen Tumbler. Der funktioniert so ähnlich wie ein Mixer, bloß langsamer. Gebißreiniger tut es zur Not auch und seit einigen Jahren haben sich auch Ultraschallreiniger recht gut bewährt.

Zum Wiederladen braucht man eine Wiederladepresse. Mit ihr drückt man das verbrauchte Zündhütchen heraus, weitet den Hülsenmund, drückt das Geschoß ein und drückt den Hülsenmund wieder zu. Für jeden Arbeitsgang benötigt man eine Matrize. Matrizensätze gibt es für jedes Kaliber. Das wichtigste beim Wiederladen das exakte Wiegen des Pulvers. Dafür nimmt man entweder eine kleine Balkenwaage, eine Digitalwaage oder ein Pulverfüllgerät. Da die Hülse bei jedem Schuß ein kleines Stück länger wird, muß man sie ab und an mit einem Hülsentrimmer etwas kürzen. Einen Zündhütchensetzer benötigt man auch noch, Meßschieber, Ladebretter, Trichter und so allerhand Kleinkram. Zur Erstausstattung gehören zudem ein Feuerlöscher (6 kg ABC) und ein sicheres Behältnis.

Der Handel bietet Einsteigersets ab 99,-€ an, die alles enthalten außer Tumbler und Matrizensatz. Damit kann man auf jeden Fall brauchbare Munition herstellen, die preiswerter Fabrikmunition in nichts nachsteht. Für gutes Equipment sollte man allerdings etwa 500,-€ einrechnen, für Benchrestqualität bis 1000,-€. Für Powerschützen gibt es automatische Mehrstationenpressen mit Leistungen von bis zu 1000 Schuß pro Stunde. Der Preis für eine solche Presse liegt je nach Ausstattung zwischen 1.000,-€ und 2.000,-€.

Nitrozellulosepulver ist unter normalen Bedingungen nicht explosionsgefählich, die Abbrandgeschwindigkeit ist abhängig vom Druck. Bei normalem atmosphärischen Druck brennt es mit einer Geschwindigkeit von 60 cm pro Sekunde ab. Erst bei den in der Patrone herrschenden Drücken um 3000 bar erreicht es eine Abbrandgeschwindigkeit von 2000 m/s. Die Lagermenge in einem unbewohnten Nebenräumen beträgt 3kg. Verfügt der Lagerraum über keine Druckentlastungsfläche, z.B ein Fenster, so halbiert sich die Lagermenge auf 1,5 kg Treibladungspulver. Die Aufbewahrung hat in einem Stahlbehältnis mit Schwenkriegelschloss oder einem gleichwertigen Holzbehältnis von mindestens 22mm Wandstärke zu erfolgen, das gegen Wegnahme gesichert ist. Eine an Boden oder Wand verschraubte Wertkassette oder ein Möbeltresor genügen diesen Ansprüchen. Der Transport ist ohne besondere Auflagen der Gefahrgutverordnung bis zu einer Menge von 3 kg erlaubt. Größeren Mengen müssen in einem zertifizierten Behältnis mit UN-Nummer (maßlos überteuerter Pappkarton) befördert werden. Zudem muss sich ein Feuerlöscher (2kg ABC) an Bord befinden.

(nicht repräsentativer) Preisvergleich:

Patrone Geschoss Zündhütchen Pulver Preis pro 50 Fabrikmunition
.38. Spezial H+N Hartblei = 2 ct Federal 100 = 2,1 ct 6 grn N340 = 3,1 ct 3,60 € Magtech = 9,95 €
.44 Magnum Hornady HAP = 11,4 ct Federal 150 = 2,1 ct 20 grn N110 = 9,7 ct 11,60 € Fiocchi = 24,-€
7,5x55 Swiss PRVI = 11 ct CCI 200 = 2,0 ct 40 grn N140 = 19,4 ct 16,20 € Ruag GP11 = 27,-€
.308 Win Berger VLD= 41,2 ct Federal 210m = 3,1 ct 42 grn Varget = 24 ct 34,15 € Norma DL = 69,-€


WaffensprenungDie größte Gefahr geht von Doppelladungen aus, besonders bei Patronen, die ursprünglich für Schwarzpulver konstruiert wurden. Kandidaten für Waffensprengungen sind immer wieder die .44er Revolver.
Die folgenden Bilder stammen aus dem WO-Forum. In beiden Fällen wurde durch Unachtsamkeit die doppelte Menge Pulver verladen, verletzt wurde niemand.

gesprengter .44er Revolvergesprengter .44er Revolver

Links


www.spreng-sames.de
www.dillonprecision.com
http://www.schuetzenverein-roland.de/wiederladen.php
www.waffen-ingold.ch/wiederladen/
home.snafu.de/l.moeller
www.waffen-online.de

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www.Burgstaedt.de
Taurasteinturm.de

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